Zweifelhaft

Als Fritz Mayer van den Bergh Ende des 19. Jahrhunderts seine Sammlung anlegte, hatte der Maler, Zeichner und Kupferstecher Pieter Bruegel der Ältere keinen besonders guten Ruf. Dem breiten Publikum war er kaum bekannt. Viele seiner ungefähr 45 Gemälde waren nirgendwo zu sehen. Menschen, die seine Arbeiten kannten, übten viel Kritik und waren der Meinung, Bruegels Werke seien von zweifelhafter Qualität und oft sogar plump und ungehobelt.

 

Faszination

Fritz Mayer van den Bergh war schon früh von Bruegel fasziniert. Er kaufte bereits 1890 in Kortrijk den ersten Kupferstich nach einem Entwurf Bruegels. Drei Jahre später besorgte ihm ein Antiquitätenhändler aus Brüssel sage und schreibe 22 Kupferstiche nach Bruegel! Der Sammler besaß auch zwei Gemälde von Bruegels Sohn Pieter Bruegel dem Jüngeren, der die Werke seines Vaters häufig kopierte: „Winterlandschaft mit Vogelfalle und der Flucht nach Ägypten“, sowie „Die Volkszählung in Bethlehem“. Außerdem befanden sich Werke von Bruegels zweitem Sohn Jan Bruegel, der nicht nur Maler, sondern auch ein guter Freund von Rubens war, in seiner Sammlung.

 

Billige Höllengestalt

Der Höhepunkt sollte aber noch kommen. Wir befinden uns im Jahr 1894 und fahren nach Köln. Dort wird ein Gemälde versteigert. Dem Katalog zufolge eine „Landschaft mit einer Menge märchenhafter Figuren”. Der Auktionator hängt das eigenartige Werk an den Besichtigungstagen auch auf. Es ist jedoch nicht viel wert. Man braucht eine Leiter, um es sich gut ansehen zu können.

Fritz Mayer van den Bergh ist aufmerksamer als die prestigeträchtigen Museen. Er erwirbt das Gemälde über einen Agenten für weniger als 500 Franken! Im selben Jahr werden für Rubens’ Gemälde „Der verlorene Sohn” 45.000 Franken bezahlt. Einige Wochen später weiß Mayer van den Bergh es genau: Bei dem Gemälde handelt es sich um Bruegels „Dulle Griet” (Die Tolle Grete)! Damals dachte man, dieses Meisterwerk sei verloren gegangen.

Die Kunsthistorikerin Leen Huet schreibt in ihrem Buch „Pieter Bruegel. De biografie” (2016): Sein Kauf war der Startschuss für die Bruegel-Forschung, die inzwischen eine ganze Bibliothek füllt.”

 

Essteller

Von Pieter Bruegel dem Älteren sind insgesamt ungefähr 45 Gemälde bekannt. Zwei davon besitzt das Museum! Außer dem Gemälde „Dulle Griet” handelt es sich dabei um ein Tafelbild, das eigentlich aus 12 separaten kleinen Holztafeln besteht. Pieter Bruegel stellte 12 Sprüche darauf dar. Bruegel war sein ganzes Leben lang von Sprichwörtern fasziniert.

Die „Zwölf Sprüche auf Tellern“ kaufte Fritz Mayer van den Bergh 1899 auf einer Auktion in Paris.