In der burgundischen Zeit, d. h. in der Zeit, in der diese kleinen Altarflügel gemalt wurden, besaß die Elite kleine Reisealtäre. Dabei handelte es sich oft um bemalte Polyptychen, die man in einer kleinen Kiste oder einem Lederfutteral mitführen konnte. Vermutlich war der Auftraggeber dieses Polyptychons kein Geringerer als Philipp der Gute. 

 

4 : 2 = 3

Die Flügel im Museum sind nur die Hälfte des ursprünglich vierteiligen Polytychons. Die andere Hälfte befindet sich im Walters Art Museum in Baltimore (USA). Wie kann die Hälfte eines vierteiligen Polytychons zu sechs Flügeln führen? Das ist möglich, weil es von zwei Flügeln eine Rück- und eine Vorderseite gibt. Sie wurden in der Mitte durchgeschnitten.

 

Schlüsselmomente

Was ist auf den kleinen Gemälden im Museum zu sehen? Die Geburt Jesu, Christus, der aus dem Grab aufersteht, und der heilige Christophorus, der durch einen Fluss watet. Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden und passt somit gut auf einen Reisealtar.  

In Baltimore ist zu sehen: die Verkündigung, dass Maria die Mutter Jesu wird, sowie die Kreuzigung Christi und seine Taufe. Die Flügel zeigen somit Schlüsselmomente aus dem Leben Jesu, dargestellt in herrlichen Farben unter einem azurblauen Himmel vor einem vergoldeten Hintergrund.

 

Josefs Strümpfe

Auf dem Bild von Christi Geburt sitzt links unten Josef. Er schneidet seinen Strumpf in Stücke, um das neugeborene Kind damit zu wickeln, wie es auch mancherorts in einem Weihnachtslied zu hören ist. Wir wissen, dass Josefs Strümpfe im Aachener Dom als Reliquie aufbewahrt wurden. Dieses prächtige kleine Kunstwerk ist deshalb vermutlich in der Rhein-Maas-Region entstanden.

 

Werkangaben

  • Unbekannter Maler
  • Zwei Flügel des „Antwerpen-Baltimore-Polytychons”, um 1400
  • Tempera und Öl, Gold und Silber auf Eiche, 37,9 x 26,5 cm